Geschichten die dir gut tun.

Mutmacher

Was sind denn Mutmacher?

Mutmacher sind Geschichten, die Du und andere erlebt haben. Geschichten, die uns Mut machen. Wir wollen uns diese Geschichten erzählen, weil wir alle mal durch Phasen gehen, in denen es uns gut tut solche Geschichten zu hören. Das Besondere an dieser Rubrik ist, dass wir glauben, das Gott bei diesen Geschichten seine Finger im Spiel hat. Du fragst dich was das soll? Lies rein und lass auch andere an deiner Geschichte teilhaben.

Ich habe etwas Tolles erlebt und möchte Mut machen.

Mutmacher

In der letzten Aprilwoche diesen Jahres ging es in der Predigt um das Gebet „Hier bin ich, sende mich.“ Für mich gab es keinen besseren Zeitpunkt für solch ein Gebet und so folgte ich der Aufforderung, es täglich zu beten.
In den Monaten zuvor sortierte ich mein Leben neu, brachte nach langer Krankheit Ordnung in mein Privatleben und auch beruflich sortierte sich einiges. Sicherlich sollte es umgekehrt sein, zuerst nach Gott zu suchen und ihn zu fragen, was er sich für mein Leben vorstellt. Ich war dazu nicht in der Lage. Im Letzten Jahr ging es für mich vorrangig darum, überhaupt aufrecht gehen zu können und ein angemessenes Maß an Selbstständigkeit zu erhalten. Nach einem Bandscheibenvorfall hatte ich mit chronischen Schmerzen, einem Piriformissyndrom und „muskulärer Disbalance“ zu kämpfen.
Mein Fokus lag auf Gott – in allem Schmerz und allem Leid und aller Angst konnte ich auf ihn bauen. Ich spürte, dass er da war. Nicht nur im Gebet, sondern auch durch meine Freund*innen, die mich im Gebet und seelsorgerisch begleiteten. Ich kämpfte mich teilweise von Tag zu Tag, manchmal von Minute zu Minute. Er war da. Ich habe das so deutlich gespürt, wie zuvor noch nie. Wenn mir Worte fehlten, ich nicht beten konnte, halfen mir die Psalmen oder Musik. Auf einer Fortbildung in Israel – so weit weg von meinem irdischen Zuhause – bekam ich Panikattacken, dass ich nicht mehr schlafen konnte, mein Herz raste unglaublich. „My fear doesn`t stand a chance, when I stand in your love“ wurde in dieser Zeit unglaublich groß für mich.
Gleichwohl kam es in dieser Zeit zu tiefgreifenden Veränderungen in meinem privaten Umfeld. Meine Schwester wäre während ihrer Schwangerschaft fast gestorben, mein damaliger Partner hatte einen Fahrradunfall, bei dem auch er fast aus dem Leben geschieden wäre und ich verschlief den ganzen Sommer aufgrund der sedierenden Nebenwirkungen der Medikamente. Im Winter gingen zwei Freunde*innen von mir und ich trennte mich von meinem Partner. Letzteres ist eine eigene Mutmachergeschichte wert, soll jetzt aber nicht vertieft werden.
Und so stand ich da – neue Wohnung, neuer Alltag – und es kam Corona. Ein schlechter Scherz nach diesem letzten Jahr und doch ermöglichten die ganzen Schließungen für mich ein neu sortieren in meinem beruflichen Leben. Ich fokussierte mich auf meinen geistlichen und beruflichen Werdegang – Bekehrung mit 10, ohne gläubige Eltern – Vater tot mit 15 – Aus Ahnungslosigkeit über das „Weiter“ der Entschluss, das Abitur abzulegen – Berufswahl mit 18 – Für meinen Onkel, auch nicht gläubig, war es offensichtlich: Du wirst doch Theologiestudieren und als Pastorin arbeiten?!
Äh nein – Sonntags bei Glaubenszweifeln auf einer Kanzel stehen zu müssen und allen das Evangelium zu verkünden, obwohl man es grad selbst nicht spürt? Das ging für mich nicht.
Ich spürte aber diesen Ruf zu Jugendlichen – ich, damals selbst noch Jugendliche, wusste, dass ich mit Jugendlichen arbeiten will. Was da nahe liegt ist klar: Lehramt. Also schnell die Lieblingsfächer heraus gesucht (Deutsch und Geschichte) und schon bewarb ich mich an verschiedenen Universitäten.
Aufnahme des Studiums 2008 – 2010 Einstieg in die Hochschulpolitik – 2012 Einstieg in die „größere“ Politik, gefolgt vom absoluten theoretischen Durchdringen der Welt und der Gesellschaft: Adorno kann ich immer noch anlassbezogen zitieren, ohne mit der Wimper zu zucken.
Leben ohne Gemeinde in Hannover, dafür mit meiner Frankfurter Ersatzgemeinde und engen Zweierschaften. Gott war immer da. Ich habe für diese Zeit unglaublich viele „Spuren im Sand“-Momente. Und dann war es offenbar: Ich wollte keine Lehrerin werden. Eine intellektuelle Weigerung, gewachsen aus der Systemkritik und mangelnder Umsetzungsmöglichkeiten zur Herstellung von Chancengleichheit(en). Ich wollte in meinem Fach arbeiten, promovieren. Manchmal will man Sachen nicht, die dann am Ende trotzdem passieren. Irgendwie. Ich ließ mich treiben, war ziellos. schickte Bewerbungen ab und dachte: Das, was als erstes kommt, nehme ich. Hatte das genauso schon bei der Schullaufbahn nach Klasse 10 und der Uniauswahl gehandhabt und war bisher immer ganz gut damit gefahren. Und dann kam die Zusage zum Referendariat. Also los. Ich kann mich im Nachhinein nicht über das Referendariat beschweren, ich habs ja geschafft – auch wenn die Prüfungen sehr traumatisch für mich waren. Während dieser Zeit kam ich zu dreisechzehn, eine persönliche Krise ließ mich erkennen: Ohne Gemeinde wird das grad nichts mehr. Also fragte ich einen Kommilitonen, der mir die dreisechzehn empfahl. Ohne persönliche Krise, hätte ich das Referendariat aber auch nicht durchgestanden. Es war mir einfach zu viel, mich dagegen zu stellen und mich gegen das ganze System aufzulehnen – so, wie ich es vorher gewohnt war: Schließlich verachtete ich dieses „der Wirtschaft zuliefernde und menschenverachtende System Schule“ zutiefst.
Mein persönliches Gebet wurde in dieser Zeit „Bitte, Herr, sende mich an eine Schule, die zu mir passt.“ Und die bekam ich. Die Schule gab mir genügend Sicherheit, nach einem Jahr Schuldienst krank sein zu können, neun Monate nicht – oder nur sehr sporadisch -unterrichten zu können und TROTZDEM jeden Respekt und unglaublich viel Liebe und Wertschätzung von meinen Schüler*innen, Kolleg*innen und der Schulleitung zu bekommen.
In meinem Schuldienst merke ich, dass mich immer wieder Jugendliche „aussuchen“. So begleite ich momentan vier Schüler*innen intensiver als andere, weil sie um regelmäßige Beratungsgespräche bitten. Das ist ein Dienst, der über meine Dienstverpflichtung hinaus geht, aber eindeutig in meine Berufung passt.

Während der Ausschreitungen von Chemnitz im September 2018 wurde mir klar, dass ich „dahin“ muss, denn „Mache dich auf und geh in die große Stadt Ninive und predige wider sie; denn ihre Bosheit ist vor mich gekommen.“ – Noch nie, nie, nie habe ich so deutlich von Gott gehört, wo ich hin soll. Keine Prüfung, kein Gespräch, kein Gebet brachte mich bisher davon ab.
Und so stand ich im April da: Das Wissen, mit Gott zu Jugendlichen gehen zu sollen, politisch und wissenschaftlich fundiert sozialisiert um Ungerechtigkeiten und gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeiten gegenüber treten zu können. Schulpädagogisch ausgebildet. Weltliche Bindungen hinter mir gelassen. Ich durfte durch Todesängste um mir nahestehende Menschen und meine eigene körperliche Angst eine tiefere Verwurzelung in Gott erfahren. Das war mein Kassensturz.
Und in dieser Situation kam Simons Predigt: „Hier bin ich, Sende mich.“
Ich fühlte zum ersten Mal seit Jahren, dass jetzt der Moment ist, das wirklich vollen Herzens beten zu können. Ich fühlte mich frei, wirklich zu Gott sagen zu können: Hier bin ich, ich habe nichts in den Händen und kann das tun, was Du für mich wünschst. Also tat ich es.
Ich könnte jetzt hier Sachen schreiben, wie „und dann öffneten sich die Himmelstore und ein Engel trat heraus, um mich auf den endlich rechten Weg zu führen“. Stimmt aber nicht. Stattdessen verstärkte sich ein Gedanke, der mir schon länger im Kopf herumgeisterte: Theologie studieren. Es war zuvor immer nur eine Ahnung. Mein Herz schlug immer für eine Promotion in Geschichte, Thema und Gespräche über das „Wie“ waren schon erfolgt. Und trotzdem schlug der Gedanke, sich an Theologie heran zu wagen, immer wieder zu.
In dieser letzten Aprilwoche war der Gedanke unglaublich allgegenwärtig. Ich träumte davon, ich sprach davon, ich betete darüber. Die Himmelstore taten sich nicht auf und Jesus erschien mir nicht in körperlicher Gestalt und sprach: „Tu das“, es war vielmehr ein Telefonat mit einem engen Freund, wir begleiten und schon viele Jahre.
Am Ende des Gesprächs stand der Entschluss fest: Ich muss nochmal Theologie studieren.

Und jetzt gehen die Bewerbungen raus.

Was ich aus dem Ganzen gelernt habe? Natürlich hätte ich es anders haben können – ich hätte mit 18 entscheiden können, Theologie zu studieren und hätte damit dem Rat meines Onkels folgen können. Ich hätte dann sicherlich andere Erfahrungen gemacht, ich hätte auch im Lehramt Theologie als Fach wählen können. Die Begegnungen, die ich in den Fächern Deutsch und Geschichte hatte, waren allerdings so bedeutend für meine berufliche Biographie, dass mein jetziges Profil sich so nicht hätte herausbilden können.
Manche Menschen sind auf dem Weg ihrer Berufung jahrelang unterwegs und finden sie nach dem ersten Drittel ihres Lebens. So wie ich. Andere spüren es sofort – mit 10 oder 11, wie Dietrich Bonhoeffer. Wieder andere suchen ihr Leben lang danach. Wo ich am Ende stehe, ob ich in der Schule bleibe, mehr in einer Gemeinde mache, tatsächlich zu eher national gesinnten Menschen gehe und ihnen theologisch fundiert erkläre, warum das doof ist, wenn sie gruppenbezogen menschenfeindlich sind, oder ob ich einfach heirate, Kinder bekomme und an meiner Schule weiter Schüler*innen berate, ist irrelevant. Gott ist bei mir und Gott lässt mich immer wieder auf Menschen treffen, in denen genau ich Zeugnis für ihn sein kann. Und das ist gut so.
Ich bin Gott sehr dankbar für die letzten eineinhalb Jahre voll Schmerz und Leid. Ohne das alles hätte ich nicht vor ihm stehen können und sagen können: „Hier bin ich, sende mich.“
Momentan ist dieses Gebet eines der wertvollsten meines Lebens.

Anonym – 28.06.20 

Ich bin Anfang des Jahres von Hannover zurück in meine alte Heimatstadt Leer gezogen. Das war im Vorfeld schon eine schwierige Entscheidung, weil ich mich so zwischen Ostfriesland und Hannover hin und her gerissen gefühlt habe. Da ich darüber einfach keine Klarheit gefunden habe, habe ich es einfach mal mit einer Bewerbung probiert und mich für Leer entschieden. Zu dem Zeitpunkt schien mir das stimmig. Aber bereits kurz vor meinem Umzug hatte ich dazu ein ganz schlechtes Bauchgefühl, da war aber der Arbeitsvertrag schon unterschrieben. Habe die erste Zeit in Leer dann schreckliches Fernweh nach Hannover gehabt und mich einfach nur unglücklich gefühlt. (Obwohl ich Ostfriesland liebe, wie vermutlich alle Ostfriesen). Das ich auch noch selbst für diese blöde Entscheidung verantwortlich war, hat mich auch nicht gerade aufgebaut. Dann kam auch noch Corona, und jede Chance auf eine zügige Rückkehr nach Hannover schien dahin. Nachdem dann wieder vereinzelt Stellenangebote in Hannover ausgeschrieben waren, habe ich wieder etwas Hoffnung geschöpft. Gleichzeitig ist mir aber klar geworden, dass ich eigentlich an meine alte Arbeitsstelle zurück will, weil sie genau den Arbeitsschwerpunkt hat, für den mein Herz schlägt und ich mich dort auch superwohl gefühlt habe. Und mir ist klar geworden, dass ich noch einen Umzug und noch eine Einarbeitung an einer neuen Arbeit von meiner Energie nicht schaffen würde. (Ich wollte bis Ende Juli wechseln, weil dann meine Probezeit abläuft und ich danach sehr schlecht aus dem Vertrag rauskomme). Meine alte Stelle war aber besetzt und eine neue zusätzliche Kollegin ebenfalls bereits dort eingeplant. Also frustrierende Erkenntnis.

Als ich dann Sonntag morgens sehr entmutigt dafür betete stieß ich auf einen Songtitel „The battle is yours“ oder so ähnlich und irgendwie drang das in mein Herz. Nachmittags meldetet sich dann meine ehemalige Chefin aus Hannover wegen einer Sache per Whatsapp und ich fragte sie daraufhin wie die Lage bei Ihnen sei und ob sie womöglich ein paar Stunden Arbeit für mich hätte. Gerade an dem Tag hatte ihr die geplante neue Kollegin abgesagt, die eigentlich am nächsten Tag ihren Arbeitsvertrag unterschrieben hätte. Und nun ist der Weg nach Hannover und sogar zu meiner alten Arbeitsstelle pünktlich zum Ende meiner Probezeit in Leer frei. Eine zusätzliche Einarbeitung mit Energieverschleiß fällt also weg, denn das ist dann ja ein Heimspiel. Und ich bin sooo glücklich, dass ich diese quasi zweite Chance bekommen habe und Gott meine vermeintliche „Fehlentscheidung“ wieder gerade gebügelt hat. Für mich ist das ein echtes Wunder und es berührt mich sehr, dass er dies für mich vollbracht hat! Obwohl ich doch selbst Schuld hatte, so eine beknackte Entscheidung getroffen zu haben 🙂

Frauke – 21.06.2020

Ich habe letztes Jahr eine krasse Erfahrung gemacht. Ich bin geschieden und in einer neuen Beziehung.

Ich liebe diesen Mann, wir führen eine gute Beziehung in der wir – mit Gottes Hilfe – lernen uns unseren inneren Themen zu stellen.

Seitdem meine erste Ehe so schief gegangen ist habe ich wahnsinnige Angst mich wirklich zu öffnen und zu binden. Ich hatte Angst wieder eine falsche Entscheidung zu treffen. Wieder enttäuscht und verletzt zu werden und wieder die selben Fehler zu machen.

Gleichzeitig weiß ich, dass Liebe, Freundschaft, Familie für mich essentiell sind um glücklich zu sein. Es kam der Moment, da wusste ich: Mein Freund wird mich bald fragen, ob ich ihn heirate. Und ich war gelähmt vor Angst. Ich wollte ihn heiraten. Aber da war so viel, was mir Angst machte. Ich war hin und her gerissen und völlig verzweifelt.

Ich betete zu Gott. Eine ganze Nacht habe ich zu ihm geschrien, geweint, gefleht. Irgendwann habe ich gesagt: „Ich kann nicht mehr. Du musst das jetzt übernehmen. Ich kann ohne dich keine Entscheidung treffen. Du musst mir ein Zeichen geben.“ Ich war richtig trotzig und fordernd. Und erschöpft.

Dann bin ich endlich eingeschlafen.

Am nächsten Morgen bin ich aufgestanden und habe eine Liste gemacht, was dafür und was dagegen spricht zu heiraten. Mir fiel auf: Alles was dagegen spricht kommt aus der Vergangenheit und hat wenig mit der Gegenwart zu tun.
Ich ging an mein Handy. Mein Bruder hatte mir geschrieben.
„Hi Schwesterherz, ich habe gerade das Lied „lege deine Sorgen nieder“ gehört und irgendwie an dich gedacht. Mir kam da irgendwie der Gedanke: „Vergangenes ist Vergangenheit“. Und danach kam noch, dass du deine Entscheidungen im Jetzt und für die Zukunft nicht von negativen Erfahrungen in der Vergangenheit abhängig machen sollst… Keine Ahnung ob das in irgendeiner Form für dich relevant ist… ich wollte es dir auf jeden Fall schreiben. :-*“

Ab dem Punkt mit „Vergangenes ist Vergangenheit“ musste ich weinen. Irgendeine Schleuse wurde da aufgemacht. Ich erkannte und fühlte: Mir ist vergeben – vorher war mir gar nicht bewusst, dass mich auch ein schlechtes Gewissen quälte. Meine Angst war weg. Ich konnte die Vergangenheit, meine Fehler und Sünden in der Sekunde ruhen lassen. Es wurde viel mehr gelöst, als das was mir vorher bewusst war.
Und ich kann sehr wohl eine Entscheidung treffen. Gott hat mir keine Antwort serviert, wie ich entscheiden soll. Er hat mich wieder befähigt zu vertrauen. Gott zu vertrauen, mir und meiner Entscheidungsfähigkeit.

Der Glaube an Gott, die Gottesdienste, das Lesen der Bibel – all das fordert mich immer wieder heraus mich meinen Lebensthemen zu stellen, sie zu überwinden und ein Leben zu leben, das Gott für mich vorgesehen hat. Was viel größer ist als ich planen könnte.

Das bringt mich manchmal – wie in dieser Nacht – an meine Grenzen. Und am nächsten Morgen: weit darüber hinaus.
Ich weiß ohne Gott könnte ich mich nicht noch einmal so einlassen. Viel tiefer einlassen, als ich mich je zuvor eingelassen habe. Mit ihm kann ich mich selbst überwinden und weit über mich hinaus wachsen. Und dafür bin ich unfassbar dankbar.

Tina – 26.04.2020

Herzen gewinnen.
Weil ich gerne in der Stadt lebe.

Als das StayHome losging, hatte ich viele Ideen, was netter und bequemer für die Zeit wäre. Ein Haus mit Garten schwebte mir plötzlich vor (auch wenn ich bis zu dem Zeitpunkt nie in einem Haus wohnen wollte, zumal ich nie in einem gelebt hatte).
Letzte Woche Freitag kam mein Mann vom Supermarkt mit einen Tulpenstrauß und meinte er müsse noch einige Sträuße für unseren Jahrestag irgendwie verstecken. Er erzählte mir, dass die Verkäuferin ihn fragte, ob seine Frau denn so gut sein so viele Sträuße zu verdienen.
Und ich dachte oh je, bin ich denn immer so gut?! So gerne wäre ich in der Situation dabei gewesen und hätte das Gespräch miterlebt. Gerade in der vorletzten Woche, hat mich das Home Office genervt und ich konnte auch gut mal maulig sein, wenn er gerade ins Arbeitszimmer reinkam, um mich irgendwas zu fragen.

Als wir am Montag dann im Supermarkt waren, erzählte ich der Verkäuferin, dass ich alle Sträuße erhielt und sie meinte, sie war erstaunt und habe doch mal nachgefragt, ob ich die doch wirklich verdient hätte und sie erwiderte mein Mann habe fröhlich ja gesagt. Ich bin ehrlich. Ich war geschmeichelt. Und dann kam uns die Idee ihr auch eine Tulpenstrauß zu schenken. Die Freude, die wir aneinander haben, ist nicht nur für uns. Wir hatten schon längst bezahlt und ich ging nochmal zurück, denn der Moment war genau richtig.
Und diese Geschichte steht für viele Geschichten.

Sie steht für die alte Dame über uns, bei der ein Klopfen vor 3 Monaten mit einem Blumentopf gereicht hat, aus einer mir erstmals recht unsympathischen Art, einer Frau zu machen, die jedes Mal strahlt und fragt, wie es mir geht. Mein Mann meinte neulich hast du gesehen, wie freundlich die uns angelächelt hat.
Sie steht für ,,unseren“ Lieblings-DHL-Lieferanten mit dem ich neulich ein langes Gespräch mitten im Hausflur führen durfte und von seinem Leben hören durfte.

Sie steht für meine liebste Nachbarin, die ich inzwischen Freundin neben darf, die auf meiner Etage hinter der gegenüberliegenden Tür mit ihrem Freund wohnt.

Sie steht für den Mann aus der Postfiliale am Stöckener Markt, der Woche für Woche von dem bunten Washi-Tape und Schleifen auf meinen Briefen und Paketen genervt ist, weil er nie weiß, wo er die Briefmarken hin kleben soll. Manchmal gehe ich mit Bauchschmerzen schon hin, denn ich frage mich, was er wohl denkt, wie oft ist diese Frau hier und wieviel Geld lässt sie hier? Und dann reichte ich ihm Süßigkeiten für seine Kinder. Und plötzlich durfte ich neulich (meine bereits frankierte Post) einfach bei ihm ohne anstehen und so liegen lassen, da ich Angst vor der Menschenmasse hatte, die in der Nähe des Briefkastens einen Plausch hielten.

Und ich investiere in diese Menschen nicht erst seit Corona. Nein seit 9 Monate versuche ich wöchentlich kreativ zu sein, mal mehr erfolgreich, mal weniger. Aber ich bin dankbar, hier zu wohnen und trotz Corona mich über Balkone unterhalten zu können und viele Briefkästen zur Verfügung zu haben und höre auf Gott vorzuwerfen das ich gerade kein Garten habe.

Und das Verrückte ist, da geht noch mehr.
Heute bin ich immer wieder beim Lesen der Apostelgeschichte auf folgende Worte gestoßen, die über Apollos geschrieben worden: „Er predigte frei und offen.“ (Apostelgeschichte 19,8) Da fragte ich mich, ist mein Herz denn frei und offen? Offen vielleicht, aber frei? Ich bezweifle es. Habe ich Jesus in all den Situationen erwähnt? Ehrlich gesagt nein. Denn so oft ist meine Ausrede vor mir selbst… Nein, denn ich möchte doch erst Beziehung zu den Menschen bauen. Ich möchte doch erst mit der Hand und nicht nur mit dem Mund verkünden und doch sagte Jesus: ,,Darum, wer mich bekennt vor den Menschen, den will ich bekennen vor meinem himmlischen Vater.“ (Matthäus 10,32) Ich bin ehrlich, ich bin nicht immer frei und das mitten in den Momenten, wo ich glaube alles so toll und richtig zu machen. Ein Glück sieht Jesus mein Herz und weiß, dass ich alle diese Menschen wirklich gernhabe und mir wünsche, dass sie in eine lebendige Beziehung mit ihn treten. Und ein Glück ist Gott nie abhängig von mir oder von uns. Und dennoch möchte ich Verkünderin sein, denn das war sein allerallerletzter und tiefster Wunsch, zu verkünden: ,,Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen! Mk 16,16 Lasst uns das in der Corona-Zeit alle tun.

Anonym – 14.04.2020

Vor gut einem Jahr bin ich einfach mal meiner Intuition gefolgt und habe sehr interessiert vereinzelte Gottesdienste bei dreisechzehn erlebt. Zuerst habe ich nur die Predigten gehört, um dann auch später die Gottesdienste zu besuchen. Bis dahin hatte ich keine regelmäßigen Gottesdienste besucht, obwohl ich mich 2006 taufen ließ. Von der Art und Weise der Predigten und der Musik war ich von Anfang an sehr berührt und irgendwie auch verzaubert. So zog mich mein Mut wenige Zeit später zum Gebetsteam und ich nahm das Angebot wahr, im Anschluss an den Gottesdienst für mich beten zu lassen. Hier habe ich das, was mich belastete endlich an Gott abgeben können: Ich wusste, es war Zeit, meiner Familie zu vergeben, aber ich hatte keine Ahnung, wie das wirklich gehen soll, ohne mir dabei selbst nicht untreu zu werden. Seit ich diese schwere Last an meinen himmlischen Vater mit großem Vertrauen und Zuversicht abgegeben habe, hat sich innerlich einiges in mir gelöst! Mein Weg der Vergebung ging seit dem einen ganz eigenen, positiven Weg, weil ich mich endlich mutig in Gottes Hände fallen gelassen habe und merkte, dass ich diesen manchmal extrem steinigen Weg nicht allein gehen brauchte. Viele tolle Menschen haben mich seither begleitet. Ich bin noch längst nicht an meinem Ziel bzw. an Gottes Ziel für mich angelangt, aber ich habe wieder Mut in Gott und mich gefasst. Und das wünsche ich jedem anderen auch:  Es gibt immer einen Weg für uns. Also nicht aufgeben und immer, so gut es eben geht,dankbar und fragend mit Gott im Gespräch bleiben. Meistens antwortet er sehr kreativ, auch in dieser besonderen Zeit von Corona, in der ich diese Zeilen schreibe. 
 
Romy – 04.04.2020